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Sonntag, 2. Dezember 2012

Wortfragmente ziehen Spuren durch ihre Gedanken. Wortfragmente aus Sätzen, die ihr einst etwas bedeuteten.
Aber sie sind dahin. Bestand hat nichts. Sie wusste, dass dieser Moment irgendwann kommen würde. Und nun ist er da. Aber der Moment ist nicht allein. Er hat Gesellschaft mitgebracht.
Einen klaren Gedanken, einen einzigen, und er hat sich einfach in ihr eingepflanzt. Ohne zu Fragen.
Doch das ist nicht schlimm. Was sie will, tut schon lange nichts mehr zur Sache.

Komaähnlicher Zustand. Zwischenwelt, Transition.
Irgendwelche Begriffe, die den Zustand beschreiben sollen, in dem sie lebt.
Es sind nur leere Worte. Sie haben keine Bedeutung, denn kein Wort reicht aus, um ihren Zustand zu beschreiben.
Ihr Zustand ist viel komplizierter als ihn jemals in einem Wort beschreiben zu können. Aber das würde keiner begreifen.
Was wissen die anderen denn schon davon?

Sie lebt.
Zumindest ist das der Status, dem man einem klopfenden Herzen beimisst. Leben. 
Doch steht sie bewegungsunfähig im Raum, starrt vor sich hin und atmet flach.
Ihr Herz klopft. Nicht sehr schnell, trotzdem immer noch spürbar.
Aber wie lange noch?

Sie lebt nicht.
Die meisten Menschen erkennen den Unterschied zwischen Leben und Existieren nicht. Die meisten Menschen wissen nicht, wann es Zeit ist zu handeln, um einen anderen Menschen zu retten. Die meisten Menschen wissen so wenig und sind mit so wenig zufrieden.
So wie die, denen sie nahe steht.

Sie existiert nur noch.
Sie existiert nur noch für andere. Den Schein wahren. Ihnen etwas vorspielen. Vortäuschen, dass es nicht zu spät ist.
Aber irgendwann ist es zu spät. Das musste sie sich selber eingestehen. Irgendwann geht es nicht mehr. Nicht nach all den Bemühungen, die so viel Kraft kosteten.
Und jetzt spielt sie mit dem Gedanken in ihrem Kopf.

Sie greift zu. Der Gedanke ist nicht mehr nur ein Gedanke. Er ist Realität.
Es fühlt sich kalt in ihrer Hand an. Ein Lächeln ziert ihr Gesicht. Das erste Lächeln seit Monaten.
Ihre Fingerer führen die Bewegungen aus als hätten sie es schon zum tausendsten Mal gemacht.

Dann geht alles ganz schnell. Sie zieht den Abzug und ist weg. Für immer. Mit ihrem schönsten Lächeln auf dem Gesicht.
Sie hatte das Richtige getan.


 

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