Der
Stoff bedeckt nur wenig von deiner Haut. Kühle Luft streicht über sie, hinterlässt ein Frösteln. Das Kleid, was du trägst war
wohl mal ein Abendkleid. Jetzt ist es nur noch ein Fetzen, der
schlaff an dir herabhängt.
Der
Boden unter deinen nackten Füßen ist kalt, der Raum fast gänzlich
dunkel. Doch du kannst Tische und Stühle, um die Erhebung erkennen,
auf der du stehst. So allein stehst.
Vorsichtig
setzt du einen Fuß vor den anderen. Die Angst regiert jeden deiner
Schritte. Die Angst hat alles zurückgedrängt, frisst dein Innerstes
auf.
Du
willst die Erhebung verlassen, auf der du dich befindest, willst den
Krallen, die dich zurückhalten, entgehen. Doch du schaffst es nicht.
Als würde eine unsichtbare Wand aus Glas sich vor dir befinden.
Ein
Schrei entweicht deiner Kehle. Die Erkenntnis, dass es nur Millimeter
an Glas sind, die zwischen dir und der Freiheit stehen, lassen dich
verzweifeln.
Du
krallst die Hände in den dunklen Stoff und ziehst und zerrst daran.
Das
Licht wird heller. Richtet sich nun gebündelt auf dich und
beleuchtet deine Umgebung. Du siehst, wie die Leute lachen, wie sie
trinken, sich amüsieren, sich berühren.
Sie
nehmen keine Notiz von dir. Nicht mal, als du nach ihnen rufst,
verzweifelst gegen die Wand schlägst, die dich von ihnen abtrennt.
Du
fühlst dich wie eine Anomalie im Gebilde dieser Menschen. Sie sind
das komplette Gegenteil von dir, geben vor das zu sein.
Sie
interessieren sich nicht für dich, sind so in ihren Gesprächen
gefangen, so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nichts mehr
merken
Langsam
gehst du zurück in die Mitte, lässt dich auf deine nackten Knie
sinken, legst das Kinn auf die Brust und wartest darauf, dass du
irgendetwas fühlst. Irgendetwas anderes, als dieses erdrückende
Gefühl, was dein Innerstes ausfüllt. Doch es passiert nichts.
Nichts
wird passieren, weil keiner kommen wird, um dich zu retten. Das sind
Märchen, die sie den Kindern erzählen, um sie nicht zu früh mit
der Realität konfrontieren zu müssen, in die man sie hineinwachsen
lässt.
Es
wird keiner kommen, um dir zu helfen, dich aus dir zu befreien. Du
bist allein.
Mit
dieser Gewissheit kämpfst du dich wieder auf die Beine und berührst
die unsichtbare Wand, läufst im Kreis, während deine Fingerspitzen
das Nichts berühren, bis dir schwindelig wird.
Der
Lichtstrahl folgt dir wo auch immer du hingehst, lässt dich nie
allein.
Dein
Blick schweift zum ersten Mal durch den Raum. Du befindest dich in
der Mitte und die Tische um dich herum befinden sich in einem großen
Saal. Reich verzierte Wände, Rot- und Goldtöne umgeben dich. Dir
wird klar, dass du auf einer Bühne stehst. Sie ist schwarz mit
ebenso goldenen Verzierungen wie an Wänden und Decke.
Dein
Blick schweift weiter und fällt auf Logen, die sich über dir
befinden. Sie sind komplett dunkel, doch du glaubst gesehen zu haben,
wie sich etwas bewegt. Wie ein Lächeln durch die Dunkelheit brach,
nur für den Bruchteil einer Sekunde.
Du
bist dir nicht sicher, ob das was du gesehen hast, wirklich passiert
ist. Du bist dir nichts mehr sicher.
Die
Gestalten um dich herum sind ruhig geworden. Eine kaum zu greifende
Stille scheint den Raum zu erfüllen.
Sie
starren dich an, fesseln dich mit ihren Blicken.
Dein
Atem beschleunigt sich leicht, als du siehst, wie durch den Gang der
zu der Bühne führt, etwas auf dich zukommt. Es sieht aus wie eine
Person, doch sie hat kein Gesicht. Nur ein undefinierbares Lächeln
liegt auf ihren Lippen. Du wirst das Gefühl nicht los, dass es
boshaften Ursprungs ist. Kalt und unberechenbar.
Die
Person kommt vor dem Rand der Bühne zum Stehen und streckt dir ihre
Hand hin. Deine Füße scheinen nicht mehr zu dir zu gehören,
bewegen sich fast schon von allein auf die Geste der Erlösung zu. Du
spürst, wie alles in deinem Inneren rebelliert, dich davon abhalten
will, diesen Schritt zu gehen, doch du kannst nichts dagegen tun.
Das
Bild, was sich dir bietet, ist zu anziehend. Das Versprechen auf
Erlösung zu verlockend.
Als
die Hand, die sich dir entgegenstreckende berührt, fällt
plötzlich alles von dir ab. Um dich herum ist nichts mehr. Alles
Gefühl ist weg. All das, was bis eben noch in dir wütete.
Doch
du spürst, dass es nicht vorbei ist.
Arme
umfangen dich, heben dich von der Bühne und das Letzte, was du
hörst, sind die Worte, die dich in die Dunkelheit
begleiten:
„Freiheit ist nur eine Illusion, ein Trugbild, meine Liebe. Willkommen in meiner Welt.“
„Freiheit ist nur eine Illusion, ein Trugbild, meine Liebe. Willkommen in meiner Welt.“