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Montag, 31. Oktober 2011

Ein Tisch. Zwei Stühle. Eine Lampe, die den Raum nur spärlich beleuchtet.
Du sitzt mir gegenüber. Ruhig, gelassen. Du weißt, dass ich meine Entscheidung getroffen habe. Ich musste es nicht mal sagen, denn du hast es in meinen Augen gesehen.
Ich atme tief ein. Immer und immer wieder. Ich habe Angst. Entsetzliche Angst. Und doch werde ich nicht gehen, denn die Sehnsucht ist größer, stärker.

Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf das, was uns beide noch voneinander trennt. Dieser kleine Gegenstand, diese Pistole.
Mein Herz schlägt schnell und laut. Du hörst es, du siehst es. Es gehört längst dir.
Das Lächeln, was auf deinen Lippen liegt, wirkt aufmunternd. Du schiebst die Waffe ein kleines Stück näher und für einen kurzen Moment sehe ich deine langen, dünnen Finger, die mir schon zu oft viel zu nahe kamen.

Es ist längst zu spät umzukehren. Das Versprechen, was ich dir gab, schwebt unausgesprochen zwischen uns. Ich weiß, dass ich es halten muss.
Jetzt bin ich an der Reihe, gebe dir das, was du begehrst.
Ich will dich nicht mehr warten lassen, ich will mich nicht mehr warten lassen. Gewartet habe ich schon viel zu lang.

Abwechselnd schaue ich zwischen dir und der Pistole hin und her. Meine Sehnsucht nach dir ist unfassbar groß. Das weißt du und hast es schamlos ausgenutzt. Von Anfang an. Von der ersten Sekunde meines Lebens an. Denn du warst bei mir. Immer. Überall. Unsichtbar und doch so spürbar nah, dass es mir jedes Mal wieder unaussprechliche Schmerzen zufügte.

Zaghaft berühre ich die Pistole, ziehe sie ein wenig näher zu mir, hebe sie von dem metallenem Tisch. Ich drehe sie in meinen Händen und spüre deinen neugierigen Blick auf mir. Das leichte Zittern meiner Hände bekomme ich nicht wirklich mit.
Vorsichtig nehme ich die Waffe in meine rechte Hand, halte sie gegen meine Schläfe und senke meine Lider.

Bilder laufen wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Mein ganzes Leben zieht in sekundenschnelle an mir vorbei. Zeit zum Überlegen, welchen Preis ich gerade zahle bleibt nicht.
Zeit ist irrelevant, hast du einmal zu mir gesagt und ein leichtes Lächeln legt sich auf meine aufgesprungenen Lippen.
Der Film läuft weiter und am Ende sehe ich nur noch zwei Gesichter vor mir. Eine kleine Träne bahnt sich den Weg aus meinem Augenwinkel, läuft über meine Wange und zergeht auf meinen Lippen.
Ich drücke die Pistole fester an meine Schläfe. Ich hoffe, sie werden meine Entscheidung irgendwann verstehen.
Denn es muss sein, ich kann nicht anders, ich kann einfach nicht mehr.

And so I pulled the trigger...




Montag, 10. Oktober 2011

Ich sitze mit dem Rücken zur Wand, den Kopf in den Nacken gelehnt, die Augen geschlossen. Das Einzige, was zu hören ist, ist mein stoßweise gehender Atem.
Ich will weg von hier. Weg von allen. Weg von den Menschen, deren Gesichter ich keinen einzigen Tag mehr ertragen kann. Ich will mich nicht weiter so quälen müssen. Ich will das nicht.
Aber was ich will, steht seit langem nicht mehr zur Debatte. Ertragen muss ich können. Die Dinge, die mir an den Kopf geworfen werden schlucken. 
Es zerfrisst mich, macht mich krank, macht mich fertig. Doch wem sollte ich das erzählen? Wer würde mich schon verstehen, wer würde mir denn überhaupt glauben? Wer würde mir nicht sofort irgendwelche Behauptungen an den Kopf werfen, die noch tiefer in mein Fleisch schneiden?  

Ich schließe die Augen.
Gefangen in meinem Gedankengarten verbringe ich Stunde um Stunde. Isoliere mich, weil es mir damit einfach besser geht, denn Leben ist schwer, nicht leicht, kompliziert, nicht einfach.

Meine Seele baumelt nur noch an dünnen Fäden in der Luft. Mit jeder Schwingung reißen sie ein Stück mehr. Es schmerzt. Ich leide. Doch will ich diesen Schmerz nicht vermeiden, denn es tut so gut.  
Es ist dieser Abgrund zwischen dem Tod und dem Leben, an dem ich stehe, der mich noch hält, der mich noch nicht loszulassen vermag. Es ist dieser eine morbide Moment, der mir ein Lächeln auf meine Lippen zaubert.