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Dienstag, 31. Mai 2016

Zweifel

Der Blick ist starr auf einen Punkt in der Ferne gerichtet. Die Hände ineinander verschränkt. Sie zittern leicht, so leicht, dass jemand, der nicht darauf achtet, es nicht merken würde. Aber dir selbst ist es umso mehr bewusst.
Mit aller Kraft versuchst du dich zusammenzuhalten, denn die Zweifel sind wieder da. Wie ein alter Bekannter haben sie sich in dir eingenistet. Im Kopf, im Herzen, in deiner Lunge. Du atmest Zweifel.
Du spürst, wie du die Kontrolle über dich selbst verlierst. Die Fragen in deinem Kopf drehen sich im Kreis.

Bist du gut genug, stark genug, zäh genug? Du musst hart sein, deine Emotionen dürfen dich nicht leiten. Deine Sensibilität ist eine deiner schlechtesten Eigenschaften. Sei kalt, abweisend und gefühlslos, aber bitte auch mitfühlend und hilfsbereit.
Dein Kopf droht zu platzen. Deine Zweifel und die, die andere in dir sähen, fressen sich in dein Herz, wie Tumore, vergiften es langsam und stetig.

Die Monster in dir drohen dich umzubringen.
Du scheiterst daran es allen recht zu machen. Du scheiterst an ihren und deinen eigenen Erwartungen und in diesem Strudel drohst du dich zu verlieren. Haltlos zu fallen.
Mit den Händen fährst du über dein Gesicht, vergräbst deine Finger in deinen Haaren und atmest hörbar aus.
Die Narben, die seit dem letzten Mal so gut verheilt sind, platzen wieder auf. Du weißt, dass es nur eine Frage der Zeit war, doch weißt du nicht, wie oft du noch in der Lage sein wirst die aufgeplatzten Wunden zu verarzten.
Es ist mühselige Arbeit, undankbare Arbeit. Selten einer versteht sie. Versteht, warum du so zerrissen bist, warum du an allem zweifelst.
Manchmal würdest du ihnen gerne deine ganze Verzweiflung und Wut ins Gesicht schreien. Sagen wie egoistisch es ist Forderungen an dich zu stellen, die du niemals erfüllen werden kannst. Doch du lässt es, bleibst stumm. Es würde nichts ändern. Sie würden es trotzdem nicht verstehen und du hättest unnötige Energie verschwendet, die du für deine inneren Schlachten benötigst.
Ob es einen Ausweg gibt, das fragst du dich. Doch wie soll man sich aus einem Spinnennetz aus Zweifeln, einem stetig verändernden Labyrinth befreien?

Gelegentlich kommst du zumindest aus dem Netz frei, aber den Ausweg aus deiner eigenen Auswegslosigkeit, aus deinem persönlichen Labyrinth zu finden, ist dir noch nie gelungen. Manchmal hast du ihn in der Ferne sehen können, doch haben deine Kräfte nie gereicht, um es bis dorthin zu schaffen. Und dann beginnen sich die Labyrinthwände wieder zu verschieben.
Die Zweifel zerren so stark an dir, dass du nicht mehr weißt, wohin du mit allem sollst. Du weißt nicht mehr, wie du sein sollst, wer du zu sein hast und wer du letztendlich sein willst.

Du weißt nur, dass du zu deinem eigenen größten Feind geworden bist.