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Montag, 12. Februar 2018

Fragment

Sprecher: Was ist es, das den Menschen menschlich macht? Ist es sein Gewissen? 
                 Seine Fähigkeit Gefühle zu empfinden? Was ist der Mensch?

Zwei Stühle, parallel zum Publikum. A und B sind aneinander gekettet. Starren ins Leere.

B: Der Mensch ist nur eine Hülle, angetrieben durch verschiedene biologische

    Mechanismen.

A: Der Mensch ist mehr als das.

B: Er ist leer.

A: Der Mensch ist ein Mysterium, weder rein gut, noch rein böse.

B: Grauzone.

A: Er besitzt die Fähigkeit zu denken, zu urteilen, kritisch zu sein.

B: Gefügig, manipulierbar, unmündig.

A: Der Mensch schafft Religionen, ganze Universen zu seinen Gunsten.

B:  Er ist schwach, biegsam.

A: Der Mensch ist intelligent.

B: Sag mir, wo ist seine Intelligenz geblieben? Wo hat er sie verloren, diese ach so

    herausragende Intelligenz?

A: Der Mensch greift nach den Sternen. Er will höher und höher steigen. Stillstand ist sein

    Feind.

B: Desillusioniert. Machtbesessen. Fortschritt um jeden Preis.

A: Was für ein Meisterwerk ist der Mensch.

B: Er ist unbelehrbar. Eine Katastrophe.

Stehen auf. Drehen sich zueinander. Schauen sich in die Augen.


      Destruktivität bestimmt sein Sein. Für ihn macht es keinen Unterschied, 
      ob er sich dabei selbst oder andere zerstört.

A: Der Mensch ist fähig zu lieben, sich zu verlieren.

B: Er liebt den Krieg. Bluten, leiden, quälen im Glauben an ein größeres, höheres Gut. Er

    will sich verlieren in einer Ideologie. Bloß nicht selbst denken.

A: Universalgenie Mensch.

B: Er ist kaputt, irreparabel geschädigt. Schau ihn dir an, diese Kreation. Sieh in dir an.

Zeigt ins Publikum. Wütend, energisch.
A schaut immer noch weg.


   Er ist verloren.
   Der Mensch hat sich verkauft. Nur noch eine Marionette im Bild der Gezeiten. 

   Ein kleines, unbedeutendes Ungeziefer in der Geschichte dieses Planeten.
   Völlig überheblich glaubt er die Natur beherrschen zu können, glaubt er dich 

   beherrschen zu können.

B zieht an den Fesseln, versucht A zum Publikum zu drehen.    

   So schau sie dir doch an, deine Kreation!

A schreiend, den Kopf weiter vom Publikum wegreißend.

A: Nein!

B: Du kannst sie loben, hochleben lassen, aber du kannst deinem Ebenbild nicht ein

    einziges Mal ins Angesicht blicken? Was ist nur mit dir geschehen, Gott?

A sinkt auf die Knie, zitternd, wimmernd.
Menschenmenge tritt auf die Bühne, stellt sich kreisförmig hinter A und B auf.


     Willst du nicht erkennen, welch grausames Geschöpf der Mensch ist?
     Erschaffen nach deinem Ebenbild, nach deiner eigenen Grausamkeit, bringt er Unheil
     über das einstige Paradies.
     Tausende von Jahren hat er überdauert und nichts gelernt, hüllt sich in die

     Oberflächlichkeit der Zivilisation und glaubt die Welt beherrschen zu können.
   
     So öffne doch endlich deine Augen, Gott, und blicke deinem größten Fehler ins

     Angesicht!