Schlag um Schlag. Egal, was ist, wo du bist, was du gerade machst. Die Schläge begleiten dich. Sind ein Teil von dir. Tönen in deinen Ohren
Die Schläge reißen Löcher, öffnen Narben, schenken Trost.
Sie sind fester, härter, gehen tiefer als die von anderen. Das beobachtest du oft. Du spürst seit langem, dass deine Schläge härter sind, etwas schneller als die ihren.
Sie haben ihre Schläge unter Kontrolle, immer. Können in entscheidenden Momenten die Schläge ignorieren, die Gedanken und Gefühle, die sie verursachen.
Das kannst du nicht und das macht dich anders.
Diese Andersartigkeit ist das größte Geschenk und der größte Fluch, der dir gegeben wurde. Du reagierst anders, als es erwartet wird. Intensiver, heftiger. Das stößt auf Unverständnis. Die Schläge reagieren schneller, als es dein rationales Bewusstsein kann. Du kannst nicht handeln, wie es von dir erwartet wird. Das war schon immer dein Problem.
Kopfschüttelnde Blicke, Sätze, die dich darauf hinweisen, wie schwach, wie empfindlich du bist. Wie unangepasst. Die kleinen Buchstaben nagen an dir, beißen sich fest und lassen nicht los. Seit Jahren. Sie sähen die Zweifel in dir, tiefer und tiefer. Du zweifelst an den Schlägen, an ihrer Notwendigkeit und an ihrem Sinn.
Der Wunsch ist oft da, die Schläge abstellen zu können, weil es von dir erwartet wird. Weil es leichter wäre. Weil du endlich ihre Erwartungen erfüllen würdest.
Aber wäre es der richtige Weg? Der Weg, den du wirklich wählen wollen würdest? Dein Leben lang?
Deine Schläge erinnern dich daran, dass du empfindest. Das in dir etwas gedeiht, eine Liebe und ein Leid gleichermaßen, das viel tiefer geht, als diese Menschen es jemals fühlen werden.
Das versuchst du dir stets ins Gedächtnis zu rufen. Sie können es nicht verstehen. Sie verstehen nicht, wie eine Geste, eine einfache Bewegung, die Schläge schneller werden lässt. Sie verstehen nicht, wie unendlich tief dir ein Wort gehen kann. Sie verstehen nicht, wie stark du auf eine psychische oder physische Berührung reagierst. Sie verstehen dein Empfinden nicht. Und das machen sie dir zum Vorwurf.
Du weißt, dass du trotzdessen dankbar sein solltest, dafür, dass du etwas erleben darfst, was andere nicht dürfen. Auch wenn du es oft nicht so empfindest, weil die Hürden, die deine Schläge mit sich bringen, nie verschwinden, immer und immer und immer wieder auftauchen.
Aber das ist okay. Irgendwie. Es erinnert dich daran, dass du ein Mensch bist. Wenn auch vielleicht ein klein bisschen anders, als man es von dir erwartet.
Dein Herz ist in Ordnung. Gezeichnet von Liebeskratzern und Leidenswunden, aber in Ordnung.
Und all die Schläge, die in dir dröhnen, sind genau richtig so.
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Samstag, 9. Juli 2016
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