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Samstag, 25. April 2015

Abgrund

Mein Atem stockt als du deine Hand auf meinen Arm legst, mich davon abhältst zu gehen.
Du weißt, dass ich das eigentlich nicht kann, dass zwischen uns.
Du weißt, dass ich nachgeben werde, wenn du mich jetzt nicht gehen lässt, dass du mich damit brechen wirst.

Ich hebe meinen Kopf, löse den Blick von deiner Hand auf meinem Arm, um dir in die Augen zu sehen.
Du weißt das alles, du spürst es.
Du weißt, wie sehr ich versuche mich von dem Dunkel deiner Augen loszueisen, wie ich kämpfe, um es nicht soweit kommen zu lassen. Aber ich kann nicht. Ich kann es einfach nicht.

Du pinnst mich mit deinen Augen fest. Dein Blick zeigt Entschlossenheit, zeigt mir, dass all das keinen Wert für dich hat. Ich sehe deinen Willen mich zu besitzen. Ich sehe die Lust, die deine Augen verschleiert.
Ich kann mich nicht mehr bewegen, spüre wie mir mein eigener Wille, wie mir die Kontrolle entgleitet.

Kein Aufbegehren in mir ist mehr zu spüren, als du deine Hand langsam über meinen Arm hinauf zu meinem Hals gleiten lässt und zudrückst.
Mein Kopf fällt fast schon unwillkürlich in den Nacken.

Dir entgeht mein leichtes Zittern nicht und um deine Lippen legt sich dieses verdammte spöttische Lächeln. Dieses Lächeln, was mein Hirn zu einem nutzlosen Klumpen werden lässt. Dieses Lächeln, dem ich so verhängnisvoll verfallen bin.

Bestimmt drängst du mich immer weiter nach hinten, ohne den Blickkontakt zu lösen, bis meine Rückseite die kühle Wand berührt.

Du löst deine Hand von meinem Hals und stützt sie neben meinem Kopf ab. Mein Hirn unternimmt einen letzten kläglichen Versuch mich aus dieser Situation zu befreien. Ich weiß, dass ich mich mit mir ins Verderben stürze, dass ich sündige, dass das, was sich ereignen wird, unverzeihlich ist, aber es ist egal.
Es ist egal, dass ich fallen werde. Es ist egal, dass der Aufschlag hart sein wird. Es ist egal, dass du mich brechen wirst.

Dein Gesicht ist nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt und deine Augen blicken unverwandt in meine. Ich muss meine für einen Moment schließen.
Mein Hirn hat all seine Funktionen auf ein Minimum reduziert.
Allein mein Herz bleibt mir, bebend und vibrierend.

Du hast mich gefesselt, schon bevor ich selbst wusste wie mir geschieht.
Du bist aus dem Nichts aufgetaucht und hast meine Welt aus den Angeln gehoben. Einfach so.
Manchmal habe ich mich gefragt, was es war, dass mich so an dir faszinierte, was alles Logische in mir aussetzen ließ. Aber die Antwort ist wohl so nichtig, wie alles, was gerade um uns herum passiert.

Ich spüre deinen Atem so nah an meinen Lippen, viel zu nah.
Ich weiß, was du willst, was du schon so lang von mir willst und was ich dir bisher nicht geben konnte, wollte.
Du willst, dass ich jetzt nachgebe, mich dir hingebe.
Du willst, dass ich falle.
Und du weißt verdammt genau, wie viel du von mir damit verlangst.

Deine Lippen berühren meinen Hals nur ganz leicht, gleiten langsam zu meinem Kinn, halten dort für einen Moment inne.
Hinter meinen Lidern färbt sich die Dunkelheit langsam in die buntesten Farben.
Mein Herz hat ein unmenschlich schnelles Tempo aufgenommen und ich glaube zu wissen, dass du es hörst, dass du die Schläge dieses Muskelklumpens spürst.

Mit einer Intensität, die mir all die Luft aus meinen Lungen zieht, pressen sich deine Lippen auf die meinen und ich lasse mich völlig in den Moment fallen, denn ab hier, ab jetzt gibt es keinen Rückweg mehr.

Du hast mich in Brand gesetzt, bezwungen und geführt.
Du bist mehr, als du mir zeigst und doch nicht alles, was du zu sein gibst, was du zu sein glaubst.
Und dennoch bist du alles, was ich jemals wollte, auch wenn es noch so falsch ist.