Die Engel sind verschwunden und mit ihnen die Vergebung, die du so
dringend benötigst.
Die Sünde hat sich
tief in deine Haut gebrannt. Dein Innerstes schreit. Der Schmerz
gräbt sich unter deiner Haut entlang, fließt durch deine Adern,
vergiftet deinen Blick.
Deine Fingernägel
kratzen über deine Arme, vergraben sich in der Haut, bis dir die
Tränen in die Augen treten.
Immer und immer
wieder sind seine Worte in deinen Gedanken. Sie fressen sich in deine
Nervenbahnen und du schreist nach den Engeln, die dich verlassen
haben. Allein gelassen mit deinen Gedanken, mit dem Schmerz in dir.
Du verfluchst sie, während sich dein Blick flehentlich gen Himmel
richtet.
Das Wasser, das dir
um die Füße spielt, ist eisig. Und die Kälte zieht dir in die
Knochen, nistet sich so tief ein, wie seine Worte in deinen Gedanken.
Du hasst dich dafür, dass sie diese Macht über dich besitzen, dass
du sie nicht vergessen. Du hast dich dafür, dass du ihn nicht
vergessen kannst.
Deine Lippen
beginnen zu zittern. Ob es an der Kälte des Wassers liegt oder an
dem Trauerspiel in deinem Inneren, vermagst du nicht zu sagen.
Die Fingernägel
tiefer in die Haut krallend, gehst du weiter. Die Hoffnung, dass die
Gedanken dann verschwinden, ist immer noch in dir.
Wie es so weit
kommen konnte, hast du dich oft gefragt. Wieso du ihm diese Macht
über dich eingeräumt hast. Wie du es zulassen konntest, dass nur
seine Augen hinter deinen geschlossenen Lidern erscheinen. Die
Gedanken an seine Berührungen, die eine Spur aus brennendem Feuer
auf deiner Haut hinterließen. Seine Küsse, die dir die Illusion
gaben, die Einzige zu sein, jemand besonderes. Seine Lippen, die
deinen Hals suchten.
Es zerreißt dich. All die Bilder, all die Momente, all die Gefühle, die sie hervorrufen. Es schmerzt. Diesen Schmerz, den du wie einen alten Bekannten umfängst, weil du ihn bereits kennst, in all seinen Variationen, in all seiner unaussprechlichen Grausamkeit.
Es zerreißt dich. All die Bilder, all die Momente, all die Gefühle, die sie hervorrufen. Es schmerzt. Diesen Schmerz, den du wie einen alten Bekannten umfängst, weil du ihn bereits kennst, in all seinen Variationen, in all seiner unaussprechlichen Grausamkeit.
Hüfthoch steht das
Wasser. Deine Arme liegen auf der Wasseroberfläche, eine leichte
Gänsehaut ziert sie.
Manchmal willst du
vergessen. Nicht hören, nicht sehen, nicht denken. Alles vergessen,
ihn vergessen. Aber er ist in deiner Blutbahn, in jedem deiner Worte,
in jedem deiner Blicke. Er ist bereits ein Teil von dir. Ein so
mächtiger Teil, dass du dich fragst, wo du aufhörst und er beginnt.
Dabei willst du nur dich wiederfinden.
Die Engel haben nur
zugesehen, als du dich immer weiter verloren hast. Du verfluchst sie,
ob der Ungerechtigkeit, die dem allem inne wohnt.
Die Sünde in dir
sitzt derartig tief, dass du spürst, wie du von innen heraus
ausbrennst. Wie sich das Feuer über deinen ganzen Körper ausbreitet
und droht auch das Wasser um dich herum in Flammen zu setzen.
Ein letztes Mal
schaust du gen Himmel, flehentlich. Doch die Engel sind verschwunden
und die Vergebung mit ihnen. Nur die Sünde ist geblieben.
Die Sünde, die das
Verlangen nach ihm ist. Nach allem, was du so lange schon wolltest.
Nach allem, was er dir gab, was er in dir stillte, was er in dir
hervorrief. Die Seite, die er in dir hervorrief.
Du weißt, es gibt
jetzt kein Entrinnen mehr. Das Wasser zieht dich immer weiter, immer
tiefer hinein. Weiter weg von dir.
Und dein letzter
Gedanke, bevor dich das kühle Nass komplett umfängt, ist, nicht
komplett zu zerbrechen, wenn du aufkommst, wenn der Fall vorbei ist,
denn vielleicht kehren dann die Engel in deine Welt zurück.