Du hasst es genauso sehr, wie du es liebst.
Das Hochgefühl befriedigt dich, so wie es nichts anderes tut. Du kriegst nie genug, willst immer mehr und dafür tust du alles. Du verkaufst dich, du bettelst, du stiehlst. Alles ist dir recht, hauptsache du kommst an deinen Stoff.
Wie lange das schon so geht, weißt du nicht. Es ist auch irrelevant. Auf der Straße verliert man jegliches Zeitgefühl. Man versucht sich einfach nur irgendwie durchzuschlagen.
Deine Familie hat sich von dir abgewandt. Wenn du ehrlich bist, ist es dir recht so. Sie haben dich nie verstanden. Wollten dich nicht verstehen. Deshalb bist du abgehauen. Nicht weil du dich ungeliebt gefühlt hast. Nein.
Du warst immer das schwarze Schaf der Familie. Derjenige der am meisten Probleme in der Schule hatte, der der immer Feiern war und erst frühs um vier Uhr wieder nach Hause kam. Du hast das Leben auf die leichte Schulter genommen, hast gedacht Irgendwie wird das schon alles.
Das war ein Fehler. Das weißt du seitdem du dich zum ersten Mal gespritzt hast. Seitdem du dich in den verdammten Teufelskreislauf gestürzt hast.
Anfangs hat deine Familie dich noch gesucht, hat es sogar einmal geschafft dich in die Entzugsklinik zu bringen. Doch war es umsonst. Du bist nach nicht mal einer Woche abgehauen.
Irgendwann haben sie dich aufgegeben, weil sie merkten, dass du dich aufgegeben hast. Es war ein schweres Eingeständis für sie. Besonders für deine Mutter. Du hast sie noch nie so weinen sehen, wie beim letzten Versuch den sie veranstalteten um dich zurückzuholen.
Aber es hat dich nicht berührt. Dafür warst du schon lange auf der Straße. Hast schon zu viel Elend gesehen. So viel schlimmeres als das und trotzdem willst du nicht zurück, weil du hier Leute gefunden hast, die dich verstehen. Wenigstens ein bisschen. Sie sind deine Leidensgenossen und deine Konkurrenten.
Konkurrenten um deinen nächsten Freier. Konkurrenten um deinen Schlafplatz. Konkurrenten um das Geld.
Denn im Endeffekt steht jeder auf der Straße alleine da und muss selber sehen, wie er die Nacht überlebt.
Es ist ein verdammt hartes Leben, was du hast. Du bist nicht stolz drauf, aber du hast es akzeptiert. Irgendwie.
Die Zeit hier hat dich verändert. Innerlich, sowie äußerlich.
Für dich hat die Umgebung an Farbe verloren, jeder Mensch ist dem anderen gleich geworden. Dein Leben ist die reinste Hölle. Jedoch würdest du das nie zugeben. Es wäre ein Gefühl von Schwäche und Schwäche kannst du dir auf der Straße nicht leisten. Es würde deinen Tod bedeuten.
Schon oft hast du überlegt das ganze zu beenden. Es wäre so leicht. Eine kleine Überdosis. Keine Schmerzen und du wärst weg. Für immer.
Jedoch klammerst du dich an das letzte Stück Hoffnung. Die Hoffnung doch noch die Sonne zu finden.
Du suchst dir deine Parkbank, hast dir vorher noch eine sterile Einwegspritze besorgt, setzt dich und machst dich daran alles fertig zu machen für deinen nächsten Schuss. Es passiert ganz automatisch.
Dein Blick schweift durch den Park. Sieht Paare, Familien und Kinder. Einige werfen dir angewiderte, andere mitleidige Blicke zu. Doch das bist du gewohnt. Nimmst es schon fast gar nicht mehr wahr.
Du setzt dir die Spritze und konzentrierst dich vollkommen darauf, was mit dir passiert. Den Schmerz des Injezierens bekommst du nur am Rande mit. Man gewöhnt sich daran.
Dein Blick verschleiert sich und dein Kopf fällt wie von selbst nach hinten. Die Droge übernimmt deine Gedanken, deinen Körper und lässt dich vergessen. Es tut gut, auch wenn du weißt, dass es falsch ist. So falsch ist.
Aber es beruhigt dich zu wissen, dass jeder ein Abhängiger ist. Jeder auf seine Art und Weise und alle nur vorgeben clean zu sein.
Denn jeder ist ein Junkie.
Current music: Our Lady Peace - Everyone's A Junkie
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen